
Ausgangslage
Der Bund hat in der Kulturbotschaft 2025-2028 eine Überprüfung der Umsetzung und Wirksamkeit von Artikel 12a KFG in Aussicht gestellt. Dieser Artikel fordert Tarife für Kinder und Jugendliche an staatlich unterstützten Musikschulen, die deutlich unter den Erwachsenentarifen liegen. Weiter ist im Artikel festgehalten, dass bei der Festlegung der Tarife die finanzielle Situation der Eltern und der erhöhte Ausbildungsbedarf musikalisch Begabter berücksichtigt werden müssen.
Um die Umsetzung dieses Gesetzesartikels erneut zu evaluieren, hat das Bundesamt für Kultur BAK der Hochschule Luzern HSLU eine Studie in Auftrag gegeben, die im November 2025 publiziert wurde. Eine vom BAK einberufenen Arbeitsgruppe mit Vertretungen aus dem VMS, dem Schweizerischen Gemeindeverband, der Städtekonferenz Kultur und den Kantonen begleitete den Prozess in beratender Funktion. Der Vorstand des VMS nahm im Rahmen der Vernehmlassung zum Entwurf des Studienberichts ausführlich Stellung und lieferte Inputs, die unter anderem auf der ebenfalls im 2025 durchgeführten statistischen Umfrage des VMS basierten.

Begleitgruppe
- Philippe Krüttli, VMS
- Stefanie Dillier, Musikschule Alpnach, VMS
- Nina Ammon, Schweizerischer Gemeindeverband
- Maya Breitenstein Knobel, Städtekonferenz Kultur des Schweizerischen Städteverbands
- Nicolas Farine, Kanton Neuenburg und Conservatoire de musique neuchâtelois CMNE
- Pirmin Hodel, Kanton Luzern
- Letizia Ineichen, Städtekonferenz Kultur des Schweizerischen Städteverbands
- Nadia Keckeis, Kanton Genf
Resultate im Überblick
Die Studie behandelt drei Hauptkapitel:
- Tarifregulierungen der Kantone und Gemeinden
- Subventionierte Tarife für Kinder und Jugendliche
- Chancengerechter Zugang zur musikalischen Bildung
Aufgrund von Umfragen bei Gemeinden, Städten und Musikschulen (separate, leicht unterschiedliche Fragebogen) ziehen die Studienautor:innen eine Reihe von Schlüssen und empfehlen, in drei Handlungsfeldern aktiv zu werden:
- Effektivere Förderung des chancengerechten Zugangs zum Musikschulunterricht im Dialog zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden.
- Revision der unklaren Regelung bezüglich «Erwachsenentarif» und «Tarif für Kinder und Jugendliche» (Art. 12a KFG, Absatz 1).
- An allen Musikschulen bis zum Abschluss der Sekundarstufe II subventionierte Tarife gewähren, (noch) zu hohe Tarife an einzelnen Musikschulen senken, Ermässigungsmöglichkeiten an Musikschulen vereinfachen und verstärkt kommunizieren.
Aus Sicht des VMS sind insbesondere einige Aussagen im Bericht zu den subventionierten Tarifen (Elternbeiträge) an den Musikschulen interessant. Diese liegen schweizweit zwischen CHF 200 und CHF 856 pro Semester, was einer sehr grossen Bandbreite entspricht. Selbst innerhalb gewisser Kantone gibt es grosse Tarifunterschiede.
Die Mehrheit (64%) der befragten Musikschulen geben an, dass Artikel 12a KFG keinen Einfluss auf die getroffenen Entscheidungen hatte. Gleichzeitig schreiben laut der Studie sowohl die Musikschulen als auch die Kantone und Gemeinden den in Artikel 12a KFG vorgesehenen tiefen Tarifen den höchsten Stellenwert für den chancengerechten Zugang zum Musikunterricht zu.


